Infos auf einer SD-Karte lesen
Neulich war ich in der Situation, mir für ein neu angeschafftes 4k-Videoaufnahmegerät, das mit 150 MBit/s Videos aufnehmen kann, eine SD-Karte kaufen zu müssen. Das ist schon relativ viel (!) und die Karte muß mit dieser Geschwindigkeit also zuverlässig schreiben können, ansonsten würde das aufgenommene Video fehlerhaft (Frames würden fehlen).
Auf den Karten sind häufig Unmengen von Symbolen und Zahlen aufgedruckt und wer sich nicht auskennt (so wie ich), ist zunächst verwirrt. Dabei ist es recht einfach: Zur Beurteilung der Mindest-Schreibgeschwindigkeit für Video (also für kontinuierliche Datenströme) ist eigentlich nur die Zahl hinter dem V wichtig (G). Jetzt muß man nur noch wissen, daß diese Zahl die Mindest-Schreibgeschwindigkeit in Megabyte/Sekunde bedeutet (die Abkürzung MB steht immer für Megaybyte und nicht für Megabit). Da 1 Byte gleich 8 Bit sind, benötige ich also eine Karte, die mindestens 150 MBit/s /8 = 18,75 MB/s schreiben kann.
Mit den sehr weit verbreiteten V30-Karten bin ich also gut bedient (30 ist deutlich größer als 18,75). Es sollte also eine bekannte Marke, aber es braucht nicht das teuerste Modell zu sein. Die Angaben von Geschwindigkeitswerten "bis zu ..." sind nur Werbung und helfen nicht wirklich weiter, wichtig ist nur der garantierte Wert! Beim Studium der Karten ist mir aufgefallen, daß meist nur die sehr viel höhere Lesegeschwindigkeit (B) beworben wird und sich der Preis meist an dieser Lesegeschwindigkeit orientiert. Ich persönlich halte die Lesegeschwindigkeit aber für ziemlich unwichtig.
Spezifiziert für die Mindest-Schreibgeschwindigkeit sind V30 für 30MByte/s (sehr großes Angebot), V60 für 60 Mbyte/s, sowie V90 für 90 MByte/s (gibt es, aber sehr teuer).
Nachschlag I: Die Auflösungen und Datenraten werden immer größer und unter Umständen reichen V30 nicht mehr, dann muss eine V60-Karte besorgt werden. Um die Daten schneller schreiben und lesen zu können, benötigt die Karte eine zweite Kontaktreihe. Die Anzahl der Kontaktreihen wird mit einer römischen Ziffer (H) gekennzeichnet: UHS-I für eine Kontaktreihe (bis 104 MByte/s), UHS-II für zwei Kontaktreihen (bis 312 Mbyte/s) und es gibt sogar noch UHS-III. Die in Klammern angegebenen Übertragungsraten sind aber nur die maximalen Taktraten an der Schnittstelle und liegen deutlich überhalb der benötigten Daten-Übertragungsraten. Diese Taktraten sind für unsere Überlegungen irrelevant.
Nachschlag II: Bisher war nur von der Mindest-Schreibgeschwindigkeit für Video die Rede. Eine andere Anwendung, bei der es auch auf schnelle SD-Karten ankommt, sind Serienbildaufnahmen, womöglich noch in RAW und JPG parallel. Die V-Klassifizierung ist dafür nicht mehr unbedingt die richtige Maßzahl (obwohl natürlich weiterhin wichtig), wir benötigen für diese Anwendung eine hohe maximale Schreibgeschwindigkeit. Diese ist aber nicht spezifiziert und wir sind in diesem Punkt auf Testergebnisse und Werbeausagen der Hersteller angewiesen. Vorsicht, wenn auf der Karte nur eine Datenrate ohne weiteren Zusatz aufgedruckt ist, dann ist das immer (nur) die maximale Lesegeschwindigkeit. Falls die Kamera eine UHS-II Schnittstelle besitzt und eine hohe Frequenz für Serienbildaufnahmen gewünscht wird, dann sollte auch unbedingt eine UHS-II Karte verwendet werden!



